Auf zwei Gleisen und elektrisch um den Bodensee

Die Initiative Bodensee-S-Bahn spricht sich für durchgehend zwei Bahngleise rund um den Bodensee sowie die Elektrifizierung der Strecken aus.


Medienmitteilung der Initiative Bodensee-S-Bahn vom 22. März 2014:

In der Bodenseeregion sind auf den einspurigen und teilweise noch nicht elektrifizierten Bahnlinien rund um den See keine so attraktiven Fahrpläne möglich wie in anderen Regionen mit dichter Besiedelung. Deshalb hat die „Initiative Bodensee-S-Bahn* dem neuen deutschen Verkehrsminister und seinen beiden Kolleginnen in Österreich und in der Schweiz in einem Brief vorgeschlagen, gemeinsam einen Schienen-Infrastruktur-Fonds für den Ausbau auf Doppelspur, für die Elektrifizierung und für weitere Projekte zu gründen. Zur Prüfung der Details wurden INTERREG-Projektmittel beantragt. Die „Tageskarte Euregio Bodensee“ ist zu einem grenzüberschreitenden Tarif- und Verkehrsverbund weiter zu entwickeln.

Die zum großen Teil einspurigen und teilweise noch nicht elektrifizierten Bahnlinien rund um den Bodensee sind das größte Hindernis für einen attraktiven Schienenverkehr über Staats-, Länder-, Kantons- und Landkreis-Grenzen hinweg. Während am südlichen Bodenseeufer von Schaffhausen bis Rorschach ein S-Bahn-Verkehr im Halbstundentakt eingerichtet ist, verkehren auf dieser Linie keine überregionalen Züge. Am nördlichen Bodenseeufer hingegen fahren interregionale Züge (IRE Basel – Lindau/Ulm) im Zweistundentakt, aber die Regionalbahnen nur im Stundentakt. Dichtere Fahrpläne sind auf längeren, einspurigen Bahnlinien nicht möglich. Über die Staatsgrenzen hinweg gibt es bisher nur die wenigen Fernzüge pro Tag von Zürich nach München und nach Stuttgart. Erheblich besser sind die heutigen Angebote auf den meist doppelspurigen, nationalen Bahnlinien vom Bodensee in die Zentren der drei Staaten. Dort fahren in der Regel bereits Interregio-Züge im Stundentakt und S-Bahnen oder Regionalbahnen im Halbstundentakt. Die Zuständigkeiten sind derzeit so kompliziert, dass am Ende keine praktikablen Konzepte möglich sind. Die bestehenden Verkehrsverbünde können beim grenzüberschreitenden Schienenverkehr nur beschränkt und nur auf ihren eigenen Territorien agieren. Die Hoheit liegt bei den unterschiedlich denkenden und handelnden Behörden und den großen, nationalen Bahngesellschaften.

Eine große Herausforderung ist die Finanzierung von Infrastrukturverbesserungen, weil dafür große Investitionen notwendig sind. Die Bahnlinien im sogenannten „Diesel-Loch“ nördlich des Bodensees müssen dringend elektrifiziert werden. Erheblich aufwendiger, aber viel wirksamer ist der zweigleisige Ausbau, um die überlasteten Straßen am Seeufer deutlich zu entlasten. Deshalb hat die „Initiative Bodensee-S-Bahn* dem deutschen Verkehrsminister und den Verkehrsministerinnen in Österreich und in der Schweiz eine zwischenstaatliche Vereinbarung vorgeschlagen, so dass die Bodenseeregion die Zügel selbst in die Hand nehmen kann. Mit einem “Internationalen Fonds zur grenzüberschreitenden Finanzierung der Schienen-Infrastruktur im Bodenseeraum (Schienen-Infrastruktur-Fonds Bodensee)“ bekommt die Finanzierung der Infrastrukturmaßnahmen durch die drei Staaten und die drei Bundesländer sowie die Kantone und die Landkreise in der Region eine solide Basis. Mit einer von den Vertragspartnern vereinbarten, jährlichen Einlage kann die notwendige Planungs- und Finanzierungssicherheit geschaffen werden. In der Schweiz werden solche Fonds sowohl auf eidgenössischer Ebene (bisher FinöVFonds und neu Bahn-Infrastruktur-Fonds) als auch auf kantonaler Ebene (Verkehrsfonds des Kantons Zürich) mit Erfolg angewendet.

Der „Schienen-Infrastruktur-Fonds Bodensee“ sollte durch einen die gesamte Bodenseeregion umfassenden Tarif- und Verkehrsverbund ergänzt werden, der auch die Angebotsplanung auf der Schiene übernimmt. Auf dieser Grundlage lassen sich die einzelnen Kredit-Tranchen für den Ausbau der Infrastruktur nach sinnvollen Prioritäten bewilligen, unabhängig davon, auf welchem Territorium sich diese befinden. Zur Prüfung der Details eines Fonds und einem Verbund wurden von der „Initiative Bodensee-S-Bahn“ INTERREG-Projektmittel beantragt. Diese werden von der EU und ihren regionalen Partnern finanziert, um nationale Grenzen abzubauen und eine ausgewogene Entwicklung und Integration zu fördern. Das ist am Bodensee für den Schienenverkehr besonders wichtig und ein heute überall anerkanntes, politisches Ziel, das beharrliches Engagement verdient.

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