Dazu gibt es 12 weitere Kommentare / Informationen

  1. Bodensee-Wasser ohne Atomstrom

    Dies ist ein offener Brief von Tim Günther und Unterstützern an die BWV. Wer diese Aktion unterstützen möchte, kann sich direkt an Tim Günther wenden (Kontakt siehe unten).

    Sehr geehrter Herr Prof. Mehlhorn,

    „Wasser ist Leben!“ heißt einer Ihrer Merksprüche. Ja, Wasser ist das Medium des Lebens. Und die Energie des Lebens kommt von der Sonne – Atomkraft dagegen ist tödlich. Damit das Wasser zu den Menschen kommt, muss es auf den Sipplinger Berg gepumpt werden. Dazu braucht es bis zu 96 MW Strom. Den liefert vermutlich die EnBW und holt ihn zu großen Teilen aus strahlenden Atomkernen. Das passt nicht zu einem Lebens-Mittel; das lässt sich ändern!

    Energie sollte da gewonnen werden, wo sie gebraucht wird. Solange die Sonne scheint und der Wind weht, gibt es Energie im Überfluss. Im Gegensatz zur fossilen und atomaren sind die Erneuerbaren Energien omnipräsent, unerschöpflich und jedermann zugänglich. Kostenlos. Auch im Ländle. Man muss sie nur nutzen!

    Ein paar Dutzend Windräder (geplant sind jetzt 1600 im Ländle) würden wohl reichen, um das Wasser aus dem See auf den Berg zu pumpen. Drei solcher Rotoren auf dem Sipplinger Berg würden der BWV ein weit sichtbares Zeichen setzen. Wird der Strom ins Netz eingespeist, muss die EnBW ihre AKWs herunterfahren. Da die Wasserbecken der BWV eine erhebliche Pufferkapazität aufweisen, lässt sich die Pumpenleistung an das jeweilige Windangebot anpassen. Dies trägt dann auch zur Netzstabilität bei. Wenn jede Ihrer Mitgliedsgemeinden nur ein Windrad übernimmt, haben Sie 180 Rotoren! Nicht im Untergrund versteckt, sondern sichtbare Zeichen auf den Bergen! Die Mittel können als kommunale Bürgerprojekte zu interessanten Förderbedingungen eingeworben werden. Erträge aus Windstrom finanzieren das Wasser! Das stärkt die Identifikation mit der BWV und „unserem“ Wasser.

    Diese Anregungen wenden sich ebenso an Ihre Techniker wie an Ihre Marketing-Abteilung. Sie sind als Beitrag zur Energiewende gedacht, die vor allem einen Strukturwandel hin zur „Energie in Bürgerhand“ bedeuten muss. Sie werden unterstützt von Menschen aus dem Bekanntenkreis der Menschen, die seit dem Atomunfall von Fukushima jeden Montag auf der Überlinger Hofstatt zu einer Mahnwache zusammenkommen. Eine Liste der Unterstützer ist beigefügt. Wir freuen uns auf eine positive Resonanz.

    Federführend für die Aktion ist

    1. Windkraft soll den Druck aufbauen

      Sipplingen – Um das Bodenseewasser für 320 Städte und Gemeinde mit rund vier Millionen Nutzern bereit zu stellen, braucht es eine ganze Menge Energie. Allein um das Wasser vom See auf den Sipplinger Berg (bei Überlingen am Bodensee) und weiter zu den Verbrauchern zu transportieren, sind Pumpwerke mit einer elektrischen Leistung von 96 Megawatt installiert.

      Dieser riesige Strombedarf könnte nach dem Vorschlag einer Initiative aus der Region Überlingen in eine dezentrale Verantwortung der Nutzer gelegt werden und so auch ohne Atomstrom auskommen.

      In einem offenen Brief an den Technischen Leiter der Bodensee-Wasserversorgung (BWV), Hans Mehlhorn, appelliert die Gruppe an die BWV, eine Kampagne für Bürgerprojekte „Bodensee-Wasser ohne Atomstrom“ anzustoßen. „Die BWV kann doch ihren Draht zu den Bürgermeistern ihrer Mitgliedsgemeinden nutzen“, sagt Sprecher Tim Günther aus Sipplingen, „um bei den Kommunen für solche Projekte zu werben.“ Die vorhandenen Strukturen seien dafür geradezu ideal.

      Entstanden ist der Vorstoß aus einer regelmäßigen Mahnwache gegen Atomstrom. „Energie sollte da gewonnen werden, wo sie gebraucht wird“, argumentieren die Unterzeichner: „Solange die Sonne scheint und der Wind weht, gibt es Energie im Überfluss.“ Ja, im Gegensatz zur Atomenergie seien die Erneuerbaren Energien „omnipräsent, unerschöpflich und jedermann zugänglich. Kostenlos. Auch im Ländle. Man muss sie nur nutzen!“ Ein paar Dutzend Windräder würden wohl reichen, sagt die Initiative, um das Wasser vom See auf den Berg und zu den Haushalten zu pumpen. Ja, drei solcher Rotoren auf dem Sipplinger Berg würden „ein sichtbares Zeichen setzen“. Die Energie zu speichern sei insofern kein Problem, als die BWV auch jetzt den günstigeren Nachtstrom nutze, um die Reservoire zu füllen. Künftig könne ja gepumpt werden, wenn Windstrom verfügbar sei.

      Wenn jede der Mitgliedsgemeinden rechnerisch nur ein Windrad übernehme, stünden schon 180 Rotoren zur Verfügung. Dabei kommt es Günther gar nicht darauf an, dass in jeder Gemeinde unbedingt eine Windkraftanlage stehen sollte. Die Kommunen könnten ja auch Solarstrom erzeugen. Entscheidend ist für die Initiative, dass Bürgerprojekte günstige Förderbedingungen für Erneuerbare Energien nutzen könnten, um den notwendigen Strom für das Wasser zu produzieren. Als Beitrag zur Energiewende stärke dies zugleich die Identifikation mit der BWV und könne einen Strukturwandel zu einer „Energie in Bürgerhand“ einleiten. „Diese Anregungen wenden sich ebenso an Ihre Techniker wie an Ihre Marketing-Abteilung“, schreibt die Initiative an den Technikchef der Bodensee-Wasserversorgung.

      Zumindest auf offene Ohren trifft der Appell der Initiative in der Chefetage der Bodensee-Wasserversorgung, deren Verband sich in Händen zahlreicher Kommunen befindet. Ansprechen könne die Bodensee-Wasserversorgung dieses Thema zwar, sagte Hans Mehlhorn auf Nachfrage.

      Doch zum einen wolle und könne der Verband nicht in die Planungshoheit seiner Mitglieder eingreifen, zum anderen bedürfe es in der heutigen Situation kaum mehr eines Appells: „Das ist doch ein Selbstläufer.“ Alle Anstrengungen zur Nutzung regenerativer Energien sehe die BWV positiv , so Mehlhorn.

      Der Verband selbst sei sich auch seiner Verantwortung durchaus bewusst und habe schon in der Vergangenheit alles getan, um Energie möglichst effizient zu nutzen. Die Rohwasserpumpen seien mit einem Wirkungsgrad von rund 90 Prozent fast weltrekordverdächtig. Auf der anderen Seite gewinne die BWV selbst an 17 Drosselstationen mit Gefälle über Turbinen einen Teil der Energie wieder zurück. Bei einem Gesamtverbrauch von 160 Millionen kWh pro Jahr mache dies mit 20 Mio. kWh immerhin mehr als zehn Prozent aus.

      Nach den Worten Mehlhorns untersucht die Bodenseewasserversorgung derzeit zusätzliche Maßnahmen, „wo wir zusätzlich regenerative Energie gewinnen können“. Mehlhorn: „Da gibt es keine Denkverbote. Auch Windräder kommen in Frage.“

      (SÜDKURIER, 20. Juli 2011)

  2. Windkraftdebatte kann beginnen

    Von der Landesregierung vorgegeben, haben sich alle Kommunen im Land mit der Frage zu beschäftigen, wo auf ihrer Gemarkung Windkraftanlagen gebaut werden können. Auf Überlinger Gemarkung wäre ein Standort südöstlich von Nesselwang möglich, windig genug wäre es.

    (shi) Die Debatte beginnt. Die Gemeinderäte von Owingen, Sipplingen und Überlingen haben ein Planverfahren auf den Weg gebracht, an deren Ende Standorte für Windkraftanlagen feststehen. Das sind Flächen, auf denen nach heutigem Stand der Technik genügend Wind herrscht und die einen Mindestabstand zu Siedlungen von 500 bis 600 Meter haben. Die drei Kommunen haben einen gemeinsamen Flächennutzungsplan und sind verpflichtet, auf ihrer Gemarkung geeignete Flächen auszuweisen. Die Landesregierung Baden-Württemberg zwingt alle Gemeinden dazu, bis Jahresende Vorschläge zu machen – ansonsten gelten Windkraftanlagen im Außenbereich ähnlich privilegiert wie landwirtschaftliche Betriebe. Nach Erfahrungen andernorts wird wohl auch in Überlingen eine leidenschaftliche Debatte entstehen.

    Nach geltender Rechtssprechung sind die Kommunen dazu verpflichtet, „der Windkraft substantiell Raum zu geben“. Das sei zwar „ein unbestimmter Rechtsbegriff“, so Brettin, mache aber deutlich, wohin die Reise geht. Wie Oberbürgermeisterin Sabine Becker sagte, spiele das Landschaftsbild keine entscheidende Rolle mehr. „Ziel ist es, die Atomkraft zu ersetzen.“

    Denkbare Standorte, so Brettin, seien die Flächen südöstlich von Nesselwangen, auf einem Höhenrücken Richtung Owingen. Im Windatlas von Baden-Württemberg sei nach Schätzungen vermerkt, dass hier der Wind im Jahresdurchschnitt, 100 Meter über dem Grund, mit bis zu sechs Metern pro Sekunde weht. Eine Windhöfigkeit in dieser Größenordnung sei nach dem heutigen Stand der Technik interessant für Kraftwerksbetreiber. Im nächsten Verfahrensschritt wird nun nach einem Planungsbüro gesucht, das die „Teilfortschreibung des Flächennutzungsplans Windenergie“ – so der technische Verwaltungsbegriff – vorbereitet.

    Mögliche Investoren sind die großen Energiekonzerne. Aber auch regionale Unternehmen, wie die in Gründung befindliche „Windkraftprojektgesellschaft Bodensee Oberschwaben GmbH & Co. KG“ (WKBO). Anteilseigner mit 12,5 Prozent sind die Stadtwerke Überlingen (SWÜ). Eine entsprechende Beteiligung beschloss der Gemeinderat am Mittwoch. Weitere Gesellschafter sind die Stadtwerke aus Ravensburg, Bad Saulgau und Friedrichshafen und das Regionalwerk Bodensee. Wie SWÜ-Geschäftsführer Klaus Eder sagte, sollen in Summe 66 Millionen Euro investiert werden für eine Leistung aus Windkraft von 40 Megawatt. Überlingen könnte, entsprechend seiner Anteile, fünf Megawatt abschöpfen, was zehn Prozent der Strommenge für die Versorgung Überlingens entspreche.

    (SÜDKURIER, 21. April 2012)

  3. Kooperation bei Windenergie

    Nach der Stadt Überlingen und der Gemeinde Owingen hat auch die Gemeinde Sipplingen den Aufstellungsbeschluss für einen Teilflächennutzungsplan, „Windenergieanlagen“ einstimmig gefasst. Dabei handelt es sich um ein Planverfahren, an dessen Ende mehrere Standorte für Windkraftanlagen feststehen sollen.

    Die Verwaltung wurde zugleich beauftragt, sich so schnell wie möglich mit der Stadt Überlingen und der Gemeinde Owingen in der Verwaltungsgemeinschaft abzustimmen und gemeinsam ein ,kompetentes Planungsbüro“ zur Erstellung des Teilflächennutzungsplans zu beauftragen. Bürgermeister Anselm Neher hatte darauf verwiesen, falls die Verwaltungsgemeinschaft keine Steuerung der potenziellen Standorte für solche Anlagen vornähme, sei es zumindest theoretisch zu befürchten, „dass eine Verspargelung unserer besonders schützenswerten Landschaft entstehen kann“.

    (SÜDKURIER, 28. April 2012)

  4. Wenn der Wind des Wandels weht…

    … bauen die einen Windmühlen und die anderen Mauern.

    Über keine Form der Energiegewinnung wird aktuell in Baden-Württemberg derart kontrovers diskutiert wie über die Windenergie, obwohl das Land in der Windenergienutzung Schlusslicht unter den Flächenstaaten ist. Dabei ist unbestritten, dass die Windenergie der fossilen und atomaren Energie gegenüber ökologisch eindeutig und unerreichbar überlegen ist. Strom aus Windenergie hat die geringsten Erzeugungskosten und die kürzeste energetische Amortisation. Windenergie ist dezentral erzeugte Energie. Werden die Anlagen durch regionale Akteure betrieben, bleibt die Wertschöpfung in der Region und im Land und trägt so zur Erfüllung wirtschaftlicher wie sozialer Ziele bei. Langfristiges Ziel ist es, den Energiebedarf bis spätestens im Jahr 2050 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Neben der direkten Nutzung der Solarenergie kommt der Stromproduktion aus Windenergie eine besonders große Bedeutung zu.

    Doch geht es darum, Windräder vor der eigenen Haustür aufzustellen, herrscht ein diffuses Ablehnungsverhalten vor. Landschaftsschutz, Lärmschutz und Vogelschutz müssen dann oft als Argumente von Windkraft-Gegnern herhalten, die mit Naturschutz sonst nichts zu tun haben wollen. Diese Doppelmoral ist verlogen. Aber auch ein Teil der Natur- und Umweltschützer hat in diesen Bereichen ernst zu nehmende Bedenken. Doch die Energiewende ist nicht zum ökologischen Nulltarif zu haben. Und wir müssen jetzt damit beginnen und nicht erst in 10, 20 oder 30 Jahren. Allein schon aus der Verantwortung den kommenden Generationen gegenüber, denen wir bereits jetzt mit dem strahlenden Atommüll und dem Klimawandel kaum lösbare Probleme hinterlassen haben. Die schnellstmögliche Abkehr von den atomar und fossil erzeugten Energien hin zu einem Energie-Mix aus Windrädern, Wasserkraft, Solaranlagen und Erdwärme ist existentiell.

    Natürlich besteht kein Zweifel: Windkraftanlagen verändern das Landschaftsbild. Es liegt in der Natur der Sache, dass windgünstige Standorte meist an besonders exponierten Stellen liegen. Ökonomisch und ökologisch macht es Sinn, genau dort Windräder zu errichten. Kann aber das Argument des Landschaftsschutzes im Angesicht anderer landschaftsprägender Elemente wie Straßen, Schienen, Brücken, Hochspannungsmasten, Überlandleitungen, Großkraftwerke, Sendemasten, Leuchttürme, Skipisten, Burgen, Steinbrüche, Tagebauten und Talsperren ernsthaft ins Feld geführt werden?
    Auch mehr Vogel- und Fledermausschlag sind unvermeidbar. Doch Kollisionen mit Windrädern sind insgesamt so selten, dass sie sich nicht auf den örtlichen Bestand einzelner Vogelarten auswirken. Die zu erwartenden 10 Tausend toten Vögel durch Windschlag sind viel, aber im Vergleich zu den 10 Millionen Vögeln, die jährlich im Straßenverkehr und an Hochspannungsmasten in Deutschland sterben, ist die Zahl doch eher gering. Und was ist diese Zahl erst im Vergleich zu dem Artensterben, was immer weiter voranschreitet, wenn wir nicht bald die Energiewende hinbekommen? Hier würde es vielen gut stehen, einmal über den Tellerrand der Heimatlandschaft zu schauen und die globalen und langfristigen Ziele im Blick zu haben.

    Windenergieanlagen sind ein Symbol für Nachhaltigkeit, Innovation und Zukunftsfähigkeit. Aber selbst wenn man Windrädern keine positive Symbolkraft abgewinnen kann, muss man sich die Frage stellen, ob eine Konservierung der Landschaft mit den Ansprüchen unserer Zivilisation zu vereinbaren ist. Denn die Konsumgüter fallen nicht vom Himmel, der Müll löst sich nicht in Luft auf und die Energie kommt nicht einfach so aus der Steckdose. Wir benötigen Industrieanlagen, Mülldeponien und Kraftwerke. Und zwar auch vor der eigenen Haustür und nicht nur weit weg von uns. Es ist nicht glaubwürdig vertretbar, von den Vorzügen unseres Lebensstandards mit profitieren zu wollen, aber jeden dafür erforderlichen Eingriff in die Kulturlandschaft abzulehnen. Insbesondere dann nicht, wenn diese Eingriffe im Vergleich zu anderen noch am geringsten sind.

    Das von der Landesregierung angestrebte Ziel, bis zum Jahr 2020 mindestens 10 % des Stroms im Land aus heimischer Windenergie bereit zu stellen, ist machbar. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es erforderlich, im Land rund 1200 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von je etwa 3 MW zu errichten. Jede Gemeinde ist dazu aufgefordert, im Rahmen ihrer topographischen Vorraussetzungen ihren Teil dazu beizutragen. Der Winderlass räumt den Gemeinden die Möglichkeit ein, Windvorrangflächen auszuweisen, um den Ausbau der Windenergie in bestimmten Bereichen zu konzentrieren und eine flächenhafte Streuung von Einzelanlagen („Verspargelung“) zu verhindern. Mit einer sachgerechten Planung ist die Auswahl von Standorten für Windenergie-Anlagen möglich, an denen einerseits genügend Wind vorhanden ist und andererseits die Eingriffe in Natur und Landschaft möglichst gering sind.


    Auf der oben stehenden Karte der Verwaltungsgemeinschaft Überlingen-Owingen-Sipplingen ist die gelbmarkierte Fläche 3 mit einer Größe von knapp 200 ha, einer Windhöffigkeit von 5,75 bis 6,25 m/s (5,5 ist die Mindestertragsschwelle) und einem Abstand von mehr als 700 m zur Wohnbebauung die am besten geeignete Windvorrangfläche. Sie befindet sich auf dem überwiegend bewaldeten Höhenzug zwischen Nesselwangen und Owingen. Der Regionalverband (Verbund aus den 3 Landkreisen Bodensee, Ravensburg, Sigmaringen) hat diese Fläche zusammen mit etwa 40 weiteren Standorten in den 3 Landkreisen in die engere Wahl genommen. Hier könnte ein kleiner Windpark mit etwa 3 bis 6 Windrädern entstehen.

  5. Regierung veröffentlicht mögliche Windkraftstandorte

    Baden-Württemberger können im Internet nachsehen, ob sie vielleicht bald ein Windkraftrad vor ihrer Tür haben. Die Regierung hat jetzt Karten veröffentlicht, wo im Land ihrer Meinung nach der geeignete Wind weht.

    „Die jetzt vorliegenden Karten schaffen Transparenz für alle Beteiligten“, heißt es am Freitag in einer Mitteilung von Umweltminister Franz Untersteller und Agrarminister Alexander Bonde (beide Grüne). Sie seien ein weiteres wichtiges Planungsinstrument und die Grundlage für einen erfolgreichen nachhaltigen Ausbau der Windenergie.“ Die Karten sind auf der Internetseite des Ministeriums für den ländlichen Raum veröffentlicht. Darauf sind auch Schutzgebiete für gefährdete Tiere aufgeführt

    Grundlage für die Auswahl ist das im Mai beschlossene Landesplanungsgesetz und der Windenergie-Erlass. Ziel ist es, „bis zum Jahr 2020 rund zehn Prozent des Stroms im Land naturverträglich aus Windenergie bereitstellen zu können“, sagte Untersteller. Nicht auf allen günstigen Flächen könnten Windräder gebaut werden, weil etwa naturrechtliche Belange dagegen stünden, so der Minister. In jedem Fall sei ein immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren notwendig.

    (swr.de, 24. August 2012)


    Hier ein Auszug aus der
    Potentialkarte windhöffiger Waldflächen – 5,75m/s in 100m ü.Gr (PDF-file, 18MB):

    Bitte beachten Sie auch die
    Potentialkarte windhöffiger Waldflächen – 5,25m/s in 100m ü.Gr (PDF-file, 19MB).

  6. Frage nach Windkraft-Anlage

    Ob der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung auf der Sipplingen Anhöhe, Gemarkung Überlingen, den Bau einer Windkraftanlage plane, wollte Gemeinderat Johann Daschner (CDU) in der jüngsten Sitzung wissen. Da sei ihm nichts bekannt, antwortete Bürgermeister Anselm Neher, auch von einer entsprechenden Initiative wisse er nichts.

    „Auf der Gemarkung Nesselwangen soll ja etwas entstehen. Da könnte der Sipplingen Berg auch betroffen sein“, fügte Daschner an. Neher sagte weiter, die Angelegenheit sei vom Überlinger Gemeinderat sehr kritisch gesehen worden. Die Verwaltungsgemeinschaft Überlingen-Owingen- Sipplingen müsse jetzt eine gemeinsame Stellungnahme im Rahmen des Regionalplans abgeben. Er fügte hinzu, dass man solche Anlagen im Bodenseeraum nicht wolle, „aber ich möchte der Diskussion nicht vorgreifen“, sagte der Bürgermeister.

    (SÜDKURIER, 21. September 2012)

  7. Klare Mehrheit gegen Windkraftstandort Nesselwangen

    Der Gemeinderat verabschiedet die Stellungnahme gegen Nesselwangen mit 16:6 Stimmen. Die Gegner verweisen auf die „Unvergleichlichkeit“ des Landschaftsbildes.

    Mit einer Mehrheit von 16:6 Stimmen hat der Gemeinderat eine Stellungnahme an den Regionalverband verabschiedet, deren Kern eine Ablehnung des Windkraftstandorts „Hochbühl“ zwischen Nesselwangen und Brachenreuthe auf der einen, Billafingen und Owingen auf der anderen Seite beinhaltet. Bei der Abwägung zur Festlegung der 24 Vorrangstandorte seien die „besonders erheblichen Auswirkungen“ auf das Landschaftsbild zu gering gewichtet worden, zumal der Standort quasi „optisch zur ersten Reihe“ am Bodensee gehöre.

    Das „unmittelbare Ufer“ hatte der Verband im Vorfeld für Windkraftanlagen ausgeschlossen. Vom Nutzen her sei der Standort als „grenzwertig“ anzusehen, hieß es in der Diskussion, die Beeinträchtigung der Tourismusregion sei damit nicht zu rechtfertigen. Für das ganze Bodenseebecken wird in dem Papier eine „Tabu-Zone“ gefordert. Der Nesselwanger Stadtrat Axel Wieczorek (ÜfA) hatte die Vorlage der Verwaltung noch ergänzt und forderte „alternative Verfahren zur Energieerzeugung und -speicherung…, die in dieser einmaligen Landschaft besser geeignet sind“. Der Hödinger Ortschaftsrat hatte am Montag noch eine Erklärung abgegeben und die Bodenseeregion als „einmalig in der Welt“ klassifiziert.

    Zwar bekannten sich alle Ratsmitglieder ausdrücklich zur Energiewende. Gegen den Standort sprachen sich mit der verabschiedeten Stellungnahme dennoch die Fraktionen der CDU, der FDP, der FWV und der ÜfA geschlossen aus. Für die Beibehaltung des ausgewiesenen Standorts votierte die SPD. Das Dilemma der Entscheidung wurde bei der LBU offensichtlich: Für Sibylla Kleffner, Bernadette Siemensmeyer und Franz-Josef Thalhofer wog der Erhalt des Landschaftsbilds schwerer, Marga Lenski und Walter Sorms war der lokale Beitrag zu den erneuerbaren Energien wichtiger. Wobei zum einen noch völlig offen ist, ob die Verbandsversammlung bereit ist, an den Festlegungen noch einmal zu rütteln, und dies zum anderen für den Standort selbst keine Schutzgarantie wäre, sondern aufgrund der Privilegierung im Baurecht ähnlich der Landwirtschaft – eher noch andere ins Spiel brächte.

    Sie habe sich alle Mühe gegeben, die Stellungnahme im Sinne der Skeptiker gegenüber dem Standort Nesselwangen zu formulieren, betonte Oberbürgermeisterin Sabine Becker am Ende der Diskussion. Sie selbst könne der Erklärung allerdings nicht zustimmen. Dafür nannte sie mehrere Gründe. Aus den Informationen des Regionalverbands sei zu entnehmen, dass der Bodenseekreis derzeit erst 6 Prozent seines Bedarfs aus erneuerbaren Energiequellen decke. Im Landkreis Ravensburg betrage die Quote schon 25 Prozent, im Kreis Sigmaringen sogar 38 Prozent. Nach der aktuellen Prognose steige dieser Anteil bis 2020 im Bodenseekreis auf 26 Prozent, im Kreis Ravensburg auf 70 Prozent und im Kreis Sigmaringen sogar auf 122 Prozent des Bedarfs.

    „Die können dann sogar regionalen Strom exportieren“, sagte Becker. Der Bodenseekreis müsse auch selbst vor Ort handeln und dürfe nicht anderen Landschaften riesige Stromtrassen zumuten. Auch habe sie der Stadt Pfullendorfer den spitälischen Wald bei Denkingen als Standort angetragen. Das sei nicht mit einer Ablehnung auf hiesiger Gemarkung zu vereinbaren.

    (Von Hanspeter Walter, SÜDKURIER, 18. Oktober 2012)

    1. Die Argumente aus der Ratsrunde

      Auf die „besondere Sensibilität“ der Camphill-Schulgemeinschaft in Brachenreuthe wies Bernadette Siemensmeyer (LBU) ausdrücklich hin. Hier sei in der aktuellen Planung der notwendige Abstand zu den Aufenthaltsbereichen nicht gegeben, sagte Siemensmeyer und plädierte für eine Gesamtkonzeption.

      Axel Wieczorek (ÜfA), der die Position des Ortschaftsrats Nesselwangens an Ministerpräsident Kretschmann gesandt hatte, verwies auf eine Reaktion der Landesregierung. „Der Ausbau der Windkraft soll natur- und landschaftsverträglich sein“, heiße es da. Im Standort Nesselwangen sah Wieczorek allerdings eher „Wildwuchs“.

      Bei der technischen Prüfung vertraue er ganz auf die Experten, erklärte Oswald Burger (SPD). Zu dem Standort bekenne er sich, weil er seinen Beitrag zur Energiewende „nicht auf andere abschieben“ wolle, sagte Burger. Im Übrigen seien „alle Orte der Welt einmalig auf der Welt“. Auch Marga Lenski (LBU) hatte „kein gutes Gefühl“ bei einer Ablehnung des Standorts, wenn man anderen damit weitere Leitungstrassen durch deren Landschaft zumute. Lenski: „Die Energiewende muss auch bei uns stattfinden.“

      Wer für die Stellungnahme und gegen den Standort sei, hielt Günter Hornstein (CDU) entgegen, müssen keineswegs die Energiewende ablehnen. „Doch die Verteilung nach der Rasenmähermethode ist falsch“, sagte Hornstein. Die „Unvergleichlichkeit“ der Bodenseeregion in Gefahr sah Raimund Wilhelmi (FDP). Das könne man „nicht von allen Regionen in Deutschland sagen“, erklärte Wilhelmi, und brach eine Lanze für Tourismus und Immobilienwirtschaft. Eine „schizophrene Situation“ diagnostizierte Robert Dreher (FWV) und hielt alle Argumente am Tisch „für vertretbar“. Für ihn wäre es allerdings „der größte GAU, wenn da oben Windräder stehen, die sich nicht drehen.“ (hpw)

      (SÜDKURIER, 18. Oktober 2012)

    2. Kommentar zur Windkraft: Was ist schon einmalig?

      VON HANSPETER WALTER

      Jeder will Strom. Dass man ihn machen muss, will keiner sehen.

      Nur von oben Standorte zu dekretieren, kann den Bürgern nicht gefallen. Den Gemeinden steuernd ganz zu überlassen, wo im eigenen Vorgarten ein Windrad stehen soll, mag auf den ersten Blick verlockend klingen und könnte Bewusstsein schärfend sein. Doch der erhoffte Effekt, dass jeder sein Päckchen Verantwortung zu tragen habe und dazu auch bereit sei, scheint nicht richtig zu greifen.

      Stadtrat Bernhard Bueb glaubte schon den Faschisten Mussolini bemühen zu müssen, um das Denken am Tisch als „sacro egoismo“ (Heiligen Egoismus) zu charakterisieren. Doch auch Bueb war die Landschaft heilig, er fragte allerdings auch: Was können wir denn im Süden tun? Was tragen wir zur Energiewende bei? Wobei die jüngsten Fachtagungen zum Thema Windkraft gerade die Nutzung auf dem Land mit Schwachwindanlagen Rückenwind bekommen haben und Offshore-Probleme offenbar werden.

      Zugegeben, die Entscheidung ist nicht leicht. Doch was ist schon einmalig? Nur der Gipfel des Matterhorns, oder schon die Allgäuer Alpen, der Trauf der Schwäbischen Alb, die Höhen des Schwarzwalds oder die Weite der Hohenloher Ebene, vielleicht sogar die Nordseeküste oder die Weite des Meeres? Waren die Betonburgen landschaftsverträglich, die auch in Überlingen das Bild prägen? Und der Trend ist allenfalls graduell etwas besser, teurer und exklusiver geworden. Ein Blick auf die Goldbacher Straße oder die Yachtvillen genügt. Längst ist der Blick von Aufkirch auf die Überlinger Altstadt mit Münster und See von den vielgeschossigen Quadern am Schättlisberg verstellt, ja der Weiler über dem See droht dem Bauwahn zu erliegen. Das Bewusstsein für den sensiblen Umgang greift ganz unterschiedlich Raum.

      Irgendwie wird man das ungute Gefühl nicht los, als verweigerte sich mancher nur dann, wenn Veränderungen in der Landschaft sichtbar werden; während die nicht sofort erkennbaren Beeinträchtigungen der Natur oft milde lächelnd beiseite geschoben werden. Wenn über Jahrhunderte gewachsene Feuchtbiotope dem Straßenbau geopfert werden oder uralte Wälder dem Gewerbe weichen müssen, wenn Europa eine FFH-Richtlinie oder „Natura 2000“ erlässt. Eine gewisse Unaufrichtigkeit ist in der aktuellen Diskussion nicht zu übersehen. Doch hier könnte ausgerechnet der Artenschutz, der manchen derzeitigen Skeptikern in anderen Situationen kaum relevant erschien, zu Hilfe kommen.

      Zurecht an andere Diskussionsfelder erinnert fühlte sich Stadtrat Udo Pursche. „Es ist wie beim Verkehr, bei Parkplätzen oder beim Mobilfunk“, klagte er: „Jeder will fahren, aber keine Straße vor der Haustür; jeder will parken, aber keinen Parkplatz vor der Nase; jeder will mit seinem Handy telefonieren, aber keiner will einen Mobilfunkmast haben.“ Jeder will Strom. Dass man ihn machen muss, will keiner sehen.

      (SÜDKURIER, 18. Oktober 2012)

  8. Einmalig ist nicht nur unsere schöne Landschaft, sondern vor allem der verantwortungslose Egoismus einiger Entscheidungsträger hier in der Region (Energiewende ja – aber nicht bei uns!). Mit dem Argument der einmaligen Landschaft lehnen sie Windräder in unserer Region ab und gleichzeitig befürworten sie den Bau von neuen Umgehungsstrassen und Gewerbegebieten – was für eine Doppelmoral!

    Aber die Entscheidung ist ja nicht gegen den Standort Nesselwangen gefallen, sondern gegen dessen Ausweisung als VORRANG-Standort, womit man die Chance gehabt hätte, dem Wildwuchs zu begegnen. Nun können wir ab 1. Januar 2013 überall in unserem Verwaltungsgebiet Windräder bauen, überall wo genug Wind weht und die gesetzlichen Mindestabstände eingehalten werden. Auf der weiter oben abgebildeten Karte kommt jetzt also nicht nur der gelbumrandete Standort in Frage, sondern 6 weitere Standorte …..

  9. Martin Hahn: Bei Windkraft gibt es einen „Dreisprung“

    „Ich bedauere es zu tiefst, dass die Verbandsversammlung des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben bei ihrem Beschluss zur Fortschreibung des Teilregionalplans Windenergie heute nur 8 von 13 möglichen Vorrangstandorten ausgewiesen hat“, erklärt der Landtagsabgeordnete Martin Hahn (Grüne). „Der Regionalverband hat einen wichtigen Schritt zur Planung von Vorranggebieten verpasst.“

    Investoren suchen jetzt selbst

    Bei der Windkraft gebe es einen „Dreisprung“. Zuerst hätte die mutige Planung von Vorranggebieten stehen können, die der Regionalverband heute verpasst habe, deswegen machten sich die Investoren jetzt auf eigene Faust auf die Suche nach Standorten und zum Schluss falle die Entscheidung, wenn konkret über einen Bauantrag entschieden wird.

    Mutlose Entscheidung

    Martin Hahn sagt: „Dass sämtliche mögliche Standorte im Bodenseekreis wie der Gehrenberg und der Nesselwanger Berg wegfallen, halte ich für eine falsche Entscheidung.“ Er kritisiert den Beschluss der Regionalverbandsversammlung als „mutlose Entscheidung“, da nur „kofliktarme Standorte“ ausgewiesen worden sind.

    Planung nicht entscheidend

    Für Martin Hahn bedeutet die Entscheidung der Verbandsversammlung des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben aber noch längst nicht das Aus für Windkraft am Bodensee. Er sagt: „Grundlage für die Entscheidung von Investoren ist nicht die Planung, sondern die Wirtschaftlichkeit von Anlagen.“ Investoren würden sich jetzt selbst auf die Suche nach potenziellen Standorten machen.

    Entscheidung bei Bauantrag

    Martin Hahn erklärt, dass Landschaftsschutz Windkraftanlagen nicht grundsätzlich verhindert. Das habe das Ministerium für Ländlichen Raum klar gestellt. Ausschlaggebend seien für die Investoren die Windhöffigkeit und bei der Genehmigung von Anlagen der Naturschutz. „Entscheidend sein, welche Rolle regionale Grünzüge spielen.“ Investoren könnten Bauanträge auch für Flächen außerhalb von Vorranggebieten stellen. Das Land habe das Landesplanungsgesetz entsprechend geändert und Windkraftanlagen gelten als privilegierte Bauten im Außenbereich. Die fachliche und naturschutzrechtliche Prüfung erfolge nun, wenn ein Bauantrag gestellt wird.

    Solidarisch mit Grünen-Fraktion

    Martin Hahn weiter: „Ich unterstütze ausdrücklich die Argumentation der Grünen in der Verbandsversammlung, die der Meinung sind, dass die Diskussion mit zu vielen Vorbehalten geführt worden ist und der Landschaftsschutz im Vergleich zum Klimaschutz eine viel zu wichtige Rolle spielte.“ Martin Hahn erklärt: „50 Windkraftanlagen an 8 Standorten in den Landkreisen Sigmaringen und Ravensburg sind höchstens ein Anfang.“ Martin Hahn weiter: „Bei der Energiewende müssen wir alle an einem Strang ziehen.“

    (martin-hahn-mdl.de, 26. April 2013)

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